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Verkaufsplattformen in Deutschland: Marktanteile und Vergleich

· Lesezeit ca. 8 Minuten

Wie groß ist der deutsche Online-Markt wirklich?

Der deutsche E-Commerce setzte 2025 nach Zahlen des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (bevh) rund 83,1 Milliarden Euro mit Waren um — ein Plus von 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rechnet man digitale Dienstleistungen hinzu, liegt der Gesamtumsatz bei 98,6 Milliarden Euro.

Entscheidend für Verkäufer ist die Verteilung: 56 Prozent dieses Umsatzes, also 46,2 Milliarden Euro, laufen über Online-Marktplätze. Deren Anteil wächst weiter, denn sie legten mit 4,9 Prozent schneller zu als der Gesamtmarkt. Wer gebrauchte Artikel verkauft, verkauft in Deutschland also fast zwangsläufig über eine Plattform.

Geschätzter Umsatz der größten Online-Marktplätze in Deutschland (2025)
Amazon≈ 32 Mrd. €Otto≈ 5 Mrd. €eBay≈ 4 Mrd. €Zalando≈ 3,5 Mrd. €Kaufland.de≈ 1,5 Mrd. €
Daten als Tabelle
PlattformWert
Amazon≈ 32 Mrd. €
Otto≈ 5 Mrd. €
eBay≈ 4 Mrd. €
Zalando≈ 3,5 Mrd. €
Kaufland.de≈ 1,5 Mrd. €

Amazon dominiert den Gesamtumsatz deutlich. Für den Verkauf gebrauchter Privatware ist die Rangfolge allerdings eine andere — dort zählt Reichweite bei Privatkäufern, nicht Gesamtumsatz. Die Einzelwerte sind Branchenschätzungen; nur die Marktplatzsumme von 46,2 Mrd. Euro stammt direkt vom bevh.

Quelle: bevh (Marktplatzsumme), Branchenschätzungen (Einzelwerte)

Gebrauchtwaren: der am schnellsten wachsende Teilmarkt

Zwei Zahlen beschreiben den Secondhand-Markt, und sie messen Unterschiedliches — was regelmäßig durcheinandergeht:

  • Das IFH Köln bezifferte den gesamten Secondhand-Markt inklusive privater Verkäufe für 2022 auf rund 14,8 Milliarden Euro. Mode und Accessoires machten davon etwa 40 Prozent aus.
  • Der bevh weist für 2025 1,96 Milliarden Euro aus — das ist ausschließlich der gewerbliche Online-Handel mit gebrauchter, „pre-loved“ und refurbished Ware.

Die kleinere Zahl ist die dynamischere: Mit +21,8 Prozent wuchs der gewerbliche Gebrauchtwarenhandel 2025 fast siebenmal so schnell wie der E-Commerce insgesamt.

Wachstum nach Segment in Deutschland (2025, Veränderung zum Vorjahr)
Gesamt-E-Commerce+3,2 %Marktplätze+4,9 %Asiat. Plattformen+27,2 %Gebrauchtwaren (gew.)+21,8 %
Daten als Tabelle
PlattformWert
Gesamt-E-Commerce+3,2 %
Marktplätze+4,9 %
Asiat. Plattformen+27,2 %
Gebrauchtwaren (gew.)+21,8 %

Gebrauchtwaren und asiatische Plattformen wachsen deutlich schneller als der Gesamtmarkt. Für Privatverkäufer heißt das vor allem: Die Nachfrage nach gebrauchter Ware nimmt zu, nicht ab.

Quelle: bevh, Jahreszahlen 2025

Die wichtigsten Plattformen im Einzelnen

Es gibt keine beste Plattform, nur eine passende pro Artikel. Der entscheidende Faktor ist fast immer, ob sich der Versand lohnt: Ein Sofa mit 40 Euro Erlös verträgt keine Spedition, ein Objektiv mit 400 Euro verträgt bundesweiten Versand problemlos.

Kleinanzeigen

Am besten für: Möbel, Haushalt, Sperriges, alles mit Abholung

Gebühren: Für Privatverkäufe überwiegend kostenlos; kostenpflichtige Zusatzoptionen und in einzelnen Kategorien Einstellgebühren.

Vorteile

  • Mit über 32 Mio. Nutzern pro Monat die größte Reichweite für Gebrauchtes in Deutschland
  • Abholung vor Ort — kein Versand, keine Verpackung, kein Transportschaden
  • Sehr breites Kategoriespektrum, von Fahrrädern bis Küchen

Nachteile

  • Keine offene Schnittstelle für Privatverkäufer: Inserate müssen manuell eingestellt werden
  • Hoher Kommunikationsaufwand („Ist das noch verfügbar?“), viele Verhandlungsversuche
  • Kein integrierter Käuferschutz bei Barzahlung vor Ort — Betrugsversuche kommen vor

eBay

Am besten für: Sammlerstücke, Technik, Ersatzteile, Nischenware

Gebühren: Gebührenmodell für Privat- und gewerbliche Verkäufer unterscheidet sich und wird regelmäßig angepasst.

Vorteile

  • Offizielle API — Inserate lassen sich vollständig automatisiert einstellen und pflegen
  • Bundesweite Reichweite statt nur regional; Auktion oder Festpreis
  • Käuferschutz schafft Vertrauen und ermöglicht höhere Preise bei teuren Artikeln

Nachteile

  • Verkaufsgebühren schmälern den Erlös, besonders bei günstigen Artikeln
  • Versand ist Pflicht — Verpackung, Porto und Transportrisiko liegen beim Verkäufer
  • Rücksendungen und Fälle über den Käuferschutz kosten Zeit

Vinted

Am besten für: Kleidung, Schuhe, Accessoires

Gebühren: Für Verkäufer ohne Verkaufsprovision; die Käuferschutzgebühr trägt die Käuferseite.

Vorteile

  • Sehr aktive Community im Mode-Segment, dem größten Teilmarkt für Gebrauchtes
  • Versand ist in die Plattform integriert — Label und Abwicklung inklusive
  • Keine Verkaufsprovision für die Verkaufsseite

Nachteile

  • Praktisch auf Mode und Accessoires beschränkt
  • Deutlich niedrigeres Preisniveau als eBay bei Markenware
  • Für Elektronik, Möbel oder Werkzeug ungeeignet

Ankaufdienste (momox, refurbed & Co.)

Am besten für: Bücher, Medien, Smartphones — alles mit klarer Identifikation

Gebühren: Keine Gebühren; der Dienst kauft zum Festpreis an und verdient an der Weiterveräußerung.

Vorteile

  • Sofortiger Festpreis, kein Inserat, keine Verhandlung, kein Käuferkontakt
  • Versand meist kostenlos, Abwicklung in Minuten
  • Planbar — der Preis steht vor dem Versand fest

Nachteile

  • Deutlich niedrigster Erlös aller Wege
  • Nur für Artikel mit eindeutiger Kennung (ISBN, IMEI, Modellnummer)
  • Zustandsbewertung erfolgt einseitig durch den Ankäufer
Gebühren ändern sich. Alle Plattformen passen ihre Konditionen regelmäßig an — Kleinanzeigen und eBay haben ihre Modelle für Privatverkäufer in den letzten Jahren mehrfach geändert. Die Angaben oben beschreiben das Prinzip, nicht den tagesaktuellen Tarif. Prüfe die Konditionen vor dem Einstellen auf der jeweiligen Plattform.

Welche Plattform für welchen Artikel?

Empfehlung nach Artikelart und Wert
ArtikelEmpfehlungWarum
Möbel, SperrigesKleinanzeigenAbholung spart Versandkosten, die den Erlös sonst auffressen
Technik über ca. 100 €eBayBundesweite Nachfrage und Käuferschutz heben den erzielbaren Preis
Kleidung, SchuheVintedAktivste Community im größten Secondhand-Segment, Versand integriert
Bücher, MedienAnkaufdienstEinzelverkauf lohnt den Aufwand bei niedrigen Stückpreisen nicht
Sammlerstücke, ErsatzteileeBayNur bundesweite Reichweite findet den passenden Nischenkäufer

Mehrfachverkauf: Reichweite verdoppeln, ohne Ärger

Die Zielgruppen von Kleinanzeigen und eBay überschneiden sich kaum. Wer beides bespielt, erhöht die Verkaufswahrscheinlichkeit spürbar — mit einer Bedingung: Das Inserat muss sofort beendet werden, sobald der Artikel weg ist. Ein Doppelverkauf führt auf eBay zu einer Stornierung zulasten des Verkäufers und beschädigt die Verkäuferbewertung.

Genau an dieser Stelle setzt AI Lister an: Ein Artikel wird einmal erfasst und auf mehreren Kanälen geführt, mit gemeinsamem Status. Wie das im Detail funktioniert — und warum bei Kleinanzeigen bewusst ein manueller Bestätigungsschritt bleibt — steht auf der Funktionsseite.

Häufige Fragen

Häufige Fragen

Welche Verkaufsplattform hat in Deutschland die größte Reichweite?
Für gebrauchte Artikel ist Kleinanzeigen die reichweitenstärkste Plattform in Deutschland: Das Unternehmen gibt für den Zeitraum Juli bis Dezember 2025 mehr als 32 Millionen monatlich aktive Nutzer und über 50 Millionen aktive Anzeigen an. Gemessen am Umsatz ist Amazon der größte Marktplatz, spielt im Privatverkauf gebrauchter Ware aber kaum eine Rolle.
Wie groß ist der Markt für Gebrauchtwaren in Deutschland?
Das IFH Köln bezifferte den gesamten Secondhand-Markt inklusive privater Verkäufe für 2022 auf rund 14,8 Milliarden Euro. Davon entfielen etwa 40 Prozent auf Mode und Accessoires. Der rein gewerbliche Online-Handel mit gebrauchten Waren ist kleiner, wächst aber schnell: Der bevh weist für 2025 rund 1,96 Milliarden Euro aus, ein Plus von 21,8 Prozent.
Lohnt es sich, denselben Artikel auf mehreren Plattformen anzubieten?
Ja, weil die Zielgruppen sich kaum überschneiden: Kleinanzeigen erreicht regionale Abholer, eBay bundesweite Käufer. Wichtig ist, das Inserat sofort zu beenden, sobald der Artikel verkauft ist — sonst entstehen Doppelverkäufe, die auf eBay als Verkäufermangel gewertet werden.
Welche Plattform bringt den höchsten Verkaufspreis?
Bei Sammlerstücken, Technik und Ersatzteilen erzielt eBay durch bundesweite Reichweite und Auktionsformat meist die höchsten Preise. Bei sperrigen Möbeln ist Kleinanzeigen überlegen, weil Versandkosten entfallen. Ankaufdienste zahlen am wenigsten, kosten dafür am wenigsten Zeit.

Quellen

  • bevh — Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland, Jahreszahlen 2025 (Gesamtumsatz, Marktplatzanteil, Wachstum nach Segment)
  • IFH Köln — „Branchenbericht Secondhand“, veröffentlicht Oktober 2023 (Marktvolumen Gebrauchtwaren 2022, Kategorienverteilung)
  • Kleinanzeigen GmbH — Unternehmensangaben zu monatlich aktiven Nutzern (Juli bis Dezember 2025) und aktiven Anzeigen

Stand: August 2026. Umsatzangaben zu einzelnen Marktplätzen sind Branchenschätzungen und keine veröffentlichten Unternehmenszahlen.